Sommerzeit – Ferienzeit: Deutschland auf dem Weg in den Urlaub

Sommerzeit – Ferienzeit: Deutschland auf dem Weg in den Urlaub

Flugpauschalreisen ans Mittelmeer wieder im Kommen –Balearen und Kanaren am meisten gebucht – Kurzfristbuchungen nehmen zu – massive wirtschaftliche Auswirkungen bleiben – 20 Milliarden Euro Umsatzeinbußen

Deutschland
Norbert Fiebig DRV Official Photo

Nach monatelangem Stillstand und damit katastrophalen wirtschaftlichen Auswirkungen auf Reisebüros, Reiseveranstalter und touristische Dienstleister beginnt sich nun die Reisewelt wieder zu drehen – die Sommerferien haben in zahlreichen Bundesländern begonnen oder stehen kurz bevor.

Für Reisewillige sind nun auch wieder Flugpauschalreisen ans Mittelmeer möglich, seit Mitte Juni werden die Ziele Südeuropas auch wieder gebucht. Reiseveranstalter haben in Kooperation mit den Hotels Hygienemaßnahmen umgesetzt, um größtmögliche Sicherheit der Gäste zu gewährleisten. Auf den Flughäfen, an Bord der Flugzeuge, beim Bustransfer sowie im Hotel gibt es verschiedenste Maßnahmen, die helfen das Infektionsrisiko auf das Mindestmaß zu reduzieren, indem die in Corona-Zeiten besonders wichtigen Hygiene- und Abstandsregelungen eingehalten werden.

Zahlreiche Umfragen der vergangenen Tage zeigen, dass viele Menschen in diesem Sommer noch in den Urlaub starten möchten, aber bisher noch nicht gebucht haben. Dies spiegelt sich auch in der Nachfrage im Reisevertrieb: Seit zwei Wochen ist den Auswertungen vom Marktforschungsunternehmen TDA Travel Intelligence zufolge ein deutlicher Anstieg der Buchungen für die Ferienmonate Juli und August zu verzeichnen. Spontan- und Kurzfristbuchungen nehmen damit nach dem Restart des Reiseverkehrs bei Reisebüros und Online-Portalen zu.

Aktuelle Buchungseingänge stehen nur für ein Viertel des Vorjahres

Wurde vor rund vier Wochen noch fast ausschließlich Deutschlandurlaub gebucht, verlagert sich das Interesse nun zusätzlich in Richtung Flugreisen ans Mittelmeer. Nachdem die Reisewarnung für Europa für den 15. Juni aufgehoben wurde, werden Ziele am westlichen Mittelmeer wieder stärker nachgefragt. Damit wächst seit vier Wochen der Anteil von Flugpauschalreisen für diesen Sommer wieder stetig, aber auch die Nachfrage nach einzeln gebuchten Unterkünften bleibt bestehen. Wurden im Mai noch fast ausschließlich Nur-Hotelbuchungen oder einzelne Unterkünfte wie Ferienwohnungen und kaum Pauschalreisen verkauft, steigt seit Anfang Juni der Anteil der Pauschalreisen wieder deutlich an.

Das spiegelt sich auch bei der Wahl der Reiseziele: Die meisten Neubuchungen für Reisen im Juli und August gingen laut TDA-Auswertungen in der vergangenen Woche für die spanischen Inseln – Balearen und Kanaren (15 bzw. 11 Prozent) – ein, gefolgt von Deutschland (25 Prozent aller Buchungen der vergangenen Woche) und Griechenland (21 Prozent). Für den Zeitraum der deutschen Sommerferien nehmen auch Buchungen für Österreich, Italien und Kroatien (jeweils einstelliger Prozentanteil) zu. Erhoben werden hier Buchungsdaten von rund 2.000 Reisebüros, die den stationären Vertriebsmarkt in Deutschland repräsentativ abbilden. Zusätzlich werden im Onlinebereich die Buchungsdaten der klassischen Reiseportale und der Reiseveranstalter erfasst. Trotz dieser positiven Tendenz liegt die Gesamtzahl an Buchungen Corona-bedingt noch sehr deutlich unter denen des Rekordvorjahres. Auch wenn nun wieder gereist werden kann: Die aktuellen Buchungseingänge stehen nur für etwa ein Viertel des Vorjahres. Die Bilanz weist bislang einen Umsatzrückgang in der deutschen Reisewirtschaft von rund 20 Milliarden Euro bis Ende August aus. Von Erholung bei Reisebüros und Reiseveranstaltern kann daher noch lange nicht gesprochen werden.

Viele Reisearten sind jetzt wieder im Angebot und können bei Reisebüros und Online-Portalen gebucht werden. So nehmen die Reiseveranstalter in Kooperation mit den Fluggesellschaften in diesen Tagen Schritt für Schritt Pauschalreisen in die beliebten Mittelmeerziele wie Spanien (hier vornehmlich die Balearen und Kanaren), Portugal, Griechenland, Zypern, Kroatien und Italien wieder auf. Vermehrt steuern Airlines vor allem touristische Ziele wieder häufiger an. Zahlreiche Ziele werden auch mit Eigenanreise per Auto oder Bahn angeboten, so etwa für Ziele in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Auch Flusskreuzfahrten innerhalb Deutschlands und Europas sind wieder möglich, ebenso Busreisen und Studienreisen in eine bisher noch begrenzte Anzahl an Ländern.

Da derzeit die Reisewarnung lediglich für Reiseziele innerhalb Europas aufgehoben ist, fehlen noch viele Reisemöglichkeiten für diesen Sommer – so zum Beispiel in so beliebte Ferienländer wie die Türkei, Tunesien, Ägypten, Marokko oder auch sämtliche Fernreiseziele. „Wir erwarten von Außenminister Heiko Maas, dass er die Welt wieder differenziert betrachtet und nicht 160 Staaten über einen Kamm schert“, fordert DRV-Präsident Norbert Fiebig. „Es gibt touristische Zielgebiete mit nachweislich weniger Infizierten als in Deutschland. Vielerorts werden belastbare Hygiene- und Sicherheitsprotokolle umgesetzt, um die Gesundheit der Urlauber nicht zu gefährden. Wo Corona-Zahlen niedrig und das Gesundheitssystem leistungsfähig ist, muss die Reisewarnung durch Reisehinweise ersetzt werden. Das ist gut für die jeweiligen Länder und die deutschen Urlauber. Die pauschale Reisewarnung verunsichert die Kunden und ist insbesondere für viele Spezialreiseveranstalter existenzbedrohend“, so Fiebig weiter.

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