Massentourismus lässt sich effektiv steuern – und zwar mit Mitteln, die den Staaten bereits zur Verfügung stehen.
Das war das Fazit einer Diskussion auf dem World Travel Market in London, bei der Chris Fair von der Tourismusstrategie-Firma Resonance erklärte: „Die Regierungen haben die meisten – wenn nicht alle – Werkzeuge zur Hand, um Massentourismus zu bewältigen. Die Frage ist, wie sie sie einsetzen.“
Die Diskussion mit dem Titel „Rethinking overtourism: are we ready for real accountability?“ stellte praxisnahe Beispiele von Ländern vor, die den Druck auf lokale Gemeinschaften erfolgreich verringert haben.
Venedig: Eintrittsgebühr und Begrenzung von Gruppenführungen
Jo Reeve (Intrepid Travel) nannte Venedig als gutes Beispiel. Dort wurde an ausgewählten Spitzenzeiten eine Eintrittsgebühr von 5 Euro eingeführt, die bei Last-Minute-Buchungen auf 10 Euro steigen kann. Außerdem gibt es Obergrenzen für die Größe von Gruppenführungen, um die Überfüllung sensibler Orte zu reduzieren.
Kopenhagen: Belohnungen für „grünes“ Verhalten
In Kopenhagen gibt es ein Belohnungsprogramm für Besucher, die sich positiv engagieren, etwa bei Strandreinigungen oder freiwilligen Aktivitäten. Die Touristen erhalten dafür kostenfreie oder vergünstigte Angebote bei Erlebnissen und Sehenswürdigkeiten, wodurch der Tourismus zu einem Instrument gesellschaftlicher Teilhabe wird.
Reeve betonte, dass Massentourismus nicht ohne die Beteiligung von NGOs gemanagt werden kann, die „an vorderster Front der Auswirkungen stehen“.
Strategische Partnerschaften mit Reiseanbietern
Intrepid Travel hat seine Kooperation mit der Nationalen Tourismusorganisation Marokkos um fünf Jahre verlängert, mit dem Ziel, bis 2031 rund 200.000 zusätzliche Reisende durch nachhaltige und immersive Reiseerlebnisse zu gewinnen.
Kritische Lösungen und Ressourcenmanagement
Chris Fair warnte, dass die vorhandenen Werkzeuge oft falsch eingesetzt werden. Als Beispiel nannte er das Verbot von Kurzzeitvermietungen (wie Airbnb) in Regionen wie British Columbia oder New York aufgrund der Wohnraumkrise: „Ist das die richtige Verbindung?“ fragte er. Außerdem wies er darauf hin, dass Tourismussteuern häufig in allgemeine Gemeindekassen fließen, anstatt für das Destination Management oder die Unterstützung der Lebensqualität der Bewohner verwendet zu werden.
Malta: Neuordnung der Saison
Tolene van der Merwe (Malta Tourism Authority) erklärte, dass der Tourismus 27 % des BIP des Landes ausmacht und 25.000 Arbeitsplätze sichert, was ein Gleichgewicht zwischen Wachstum und Verantwortung erforderlich macht.
Malta arbeitet aktiv mit Fluggesellschaften zusammen, um Flüge außerhalb der Sommermonate zu erweitern und so den Druck in der Hochsaison zu verringern. Die Ergebnisse sind bereits sichtbar:
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Anstieg der Ankünfte um 11–12 % von Januar bis März
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geringerer Anstieg im Juli und August – erstmals ein Hinweis darauf, dass sich die Nachfrage gleichmäßiger verteilt
Insgesamt war die Botschaft des Panels klar: Massentourismus ist nicht unvermeidbar. Es ist eine Frage von politischen Entscheidungen, deren Umsetzung und Zusammenarbeit mit der lokalen Gemeinschaft.



















