Radikale Veränderungen in der Planung und Durchführung von Geschäftsreisen zeigt die jährliche Analyse des deutschen Mediums fvw | BizTravel, basierend auf Daten des Verbands Deutsches Reisemanagement (VDR).
Laut der Studie kehren Business-Trips nach der Pandemie zurück, weisen jedoch deutlich andere Merkmale auf: sie sind weniger zahlreich, gezielter, teurer und mit einem streng überwachten ökologischen Fußabdruck verbunden.
Im Zentrum der Analyse steht das Konzept des „purposeful travel“. Jede Reise wird nun anhand ihres Nutzens und ihrer Effizienz bewertet, wobei Unternehmen prüfen, ob eine Reise wirklich notwendig ist, bevor sie genehmigt wird. Die Fragestellung verschiebt sich vom „Wie reisen wir?“ zum „Müssen wir reisen?“.
Gleichzeitig wird Nachhaltigkeit nicht länger als freiwillige Option betrachtet, sondern zur verbindlichen Verpflichtung. Unternehmen stehen unter Druck, ihren CO₂-Fußabdruck zu reduzieren, indem sie für kurze Strecken den Zug statt das Flugzeug wählen und mit Hotels zusammenarbeiten, die über ökologische Zertifizierungen verfügen. Die Umweltleistung wird nun in die Richtlinien der Unternehmensmobilität integriert.
Auf wirtschaftlicher Ebene verzeichnet die Studie einen deutlichen Anstieg der Kosten – sowohl für Flugtickets als auch für Unterkünfte. Dieser Trend führt dazu, dass Unternehmen die Reisetätigkeit reduzieren, gleichzeitig aber die Aufenthaltsdauer verlängern, um mehr berufliche Aufgaben mit weniger Reisen abzudecken.
Digitalisierung und künstliche Intelligenz transformieren das Management von Geschäftsreisen. Buchungs- und Abrechnungsprozesse werden vollständig digitalisiert, während KI zur Personalisierung von Services, Kostenoptimierung und besseren Nutzung von Mobilitätsdaten eingesetzt wird.
Besondere Dynamik erfährt auch das Phänomen „Bleisure“, bei dem berufliche Verpflichtungen mit privaten Freizeitaktivitäten kombiniert werden. Mitarbeiter verlangen mehr Flexibilität, indem sie Geschäftsreisen für private Zwecke verlängern oder mit Remote-Arbeit verbinden.
Trotz des weitverbreiteten Einsatzes von Videokonferenzen und digitalen Tools betont die Studie, dass der persönliche Kontakt unersetzlich bleibt. Für die Entwicklung neuer Kooperationen, Vertrieb und Vertrauensaufbau gilt die physische Präsenz weiterhin als entscheidend.
In diesem Zusammenhang werden Sicherheit und „Duty of Care“ zu obersten Prioritäten, angesichts geopolitischer Instabilitäten und postpandemischer Risiken. Travel Manager müssen die Situation in Echtzeit überwachen und den Schutz der Mitarbeiter gewährleisten.
Die Rolle der Reiseverantwortlichen wandelt sich zu einem strategischen Mobilitätsmanagement, das nicht nur Kosten, sondern auch das Wohlbefinden der Mitarbeiter und die Gesamtstrategie des Unternehmens berücksichtigt.
Laut den Ergebnissen der Studie verschwinden Geschäftsreisen nicht, sie werden jedoch neu definiert: weniger, teurer, „grüner“ und streng zielgerichtet – als strategisches Werkzeug und nicht als bloßes Transportmittel.



















