Eine entscheidende Rolle für die Zukunft des europäischen Tourismus spielen weiterhin kleine und mittlere Beherbergungsbetriebe, die den überwiegenden Teil der Unterkünfte in Europa ausmachen, jedoch gegenüber großen und kettengebundenen Hotelgruppen mit strukturellen Nachteilen konfrontiert sind. Darauf verweist eine Analyse, die auf Hospitality Net veröffentlicht wurde und von Peter Lochbihler, Global Director Public Affairs bei Booking.com, unterzeichnet ist.
Den angeführten Daten zufolge bleibt der Tourismus einer der zentralen wirtschaftlichen Pfeiler der Europäischen Union. Er trägt rund 5,1 Prozent zur Bruttowertschöpfung bei – das entspricht etwa 764 Milliarden Euro – und sichert mehr als 20 Millionen Arbeitsplätze. In diesem Zusammenhang bilden kleine und mittlere Unternehmen das Rückgrat der Branche: In der EU-27 sind 25,8 Millionen KMU tätig, die 99,8 Prozent aller nichtfinanziellen Unternehmen ausmachen und rund 65 Prozent der Erwerbstätigen beschäftigen.
Trotz ihrer Bedeutung weisen unabhängige Beherbergungsbetriebe eine geringere unternehmerische Zuversicht auf als große oder kettengebundene Hotels. Aus dem Accommodation Barometer geht hervor, dass größere Einheiten durchgängig optimistischere Einschätzungen hinsichtlich der aktuellen wirtschaftlichen Lage, der Preisentwicklung und der künftigen Performance abgeben. Diese Divergenz ist weniger auf Unterschiede in den unternehmerischen Fähigkeiten zurückzuführen als vielmehr auf einen ungleichen Zugang zu Finanzierung, Technologie, internationaler Sichtbarkeit und Skaleneffekten.
Besonders ausgeprägt ist die Finanzierungslücke. Während mehr als die Hälfte der großen Hotels angibt, relativ problemlos Zugang zu Kapital zu haben, berichten lediglich 35 Prozent der kleineren Betriebe von vergleichbaren Möglichkeiten. Dies wirkt sich unmittelbar auf die Fähigkeit der KMU aus, in digitalen Wandel, nachhaltige Praktiken und die qualitative Aufwertung ihrer Dienstleistungen zu investieren.
Technologie erweist sich als ein zentraler Hebel zur Steigerung der Produktivität. Eine Studie der Europäischen Zentralbank zeigt, dass der Beherbergungssektor zu den wenigen Branchen in Europa gehörte, die im Zeitraum 2007–2016 Produktivitätszuwächse verzeichneten – eine Entwicklung, die mit der zunehmenden Verbreitung digitaler Buchungsplattformen in Verbindung gebracht wird. Eine Untersuchung von EY Parthenon hält fest, dass 96 Prozent der kleinen und unabhängigen Unterkünfte angeben, durch Online-Plattformen international sichtbarer geworden zu sein, während 91 Prozent von steigenden Buchungszahlen berichten.
Gleichzeitig bleibt der Einsatz fortschrittlicher Technologien wie Künstlicher Intelligenz in kleinen Betrieben begrenzt. Im Jahr 2023 meldeten rund 39 Prozent der großen Unterkünfte eine gewisse Nutzung von KI-Anwendungen, gegenüber lediglich 7 Prozent der KMU. Hohe Kosten, fehlende technische Kompetenzen und Unsicherheiten hinsichtlich der Rentabilität entsprechender Investitionen zählen zu den zentralen Hürden.
In diesem Zusammenhang werden auch Schwierigkeiten bei der Personalgewinnung hervorgehoben. Nahezu 49 Prozent der kleinen Unternehmen berichten über Probleme bei der Besetzung von Positionen im operativen Bereich, verglichen mit 24 Prozent der großen Hotels. Zudem liegen die Investitionen in die Aus- und Weiterbildung des Personals bei KMU deutlich niedriger.
Die Analyse kommt zu dem Schluss, dass die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit kleiner und mittlerer Beherbergungsbetriebe eine wesentliche Voraussetzung für den Übergang Europas vom Massentourismus hin zu einem qualitativ hochwertigen Tourismus ist. Ein verbesserter Zugang zu Finanzierung, der Ausbau von Kompetenzen sowie die konsequente Nutzung technologischer Möglichkeiten werden als zentrale Handlungsfelder genannt, um ein widerstandsfähigeres, innovativeres und nachhaltigeres Tourismusmodell zu schaffen, das die Qualität der Gästeerfahrung und die lokalen Volkswirtschaften in den Mittelpunkt stellt.



















