Die nationale Fluggesellschaft Lettlands, airBaltic, steht seit längerem unter finanziellem Druck. Dies hat wiederholt Kommentare des Ryanair-Group-CEO Michael O’Leary ausgelöst, der in den vergangenen Monaten sogar eine mögliche Insolvenz des Konkurrenten prognostizierte.
Unterdessen bereitet sich die lettische Regierung darauf vor, eine entscheidende Weichenstellung für die Zukunft von airBaltic zu treffen, wobei Premierminister Andris Kulbergs warnt, dass eine dauerhafte Finanzierung des Unternehmens ausschließlich durch Steuergelder nicht fortgeführt werden könne.
Der lettische Staat hält derzeit 88,37 % an der Fluggesellschaft.
Im April genehmigte das Parlament ein kurzfristiges Staatsdarlehen in Höhe von 30 Mio. Euro zur Unterstützung des Unternehmens. Das Darlehen wurde ohne Sicherheiten gewährt und muss bis zum 31. August 2026 vollständig samt Zinsen zurückgezahlt werden. Die Airline hat bereits die erste Tranche von 6,4 Mio. Euro geleistet.
In einem Interview mit dem TV-Sender TV3 erklärte Kulbergs, dass eine langfristige Lösung für airBaltic private Investitionen neben staatlicher Unterstützung beinhalten müsse.
Er bezeichnete die Airline als strategischen Vermögenswert des Landes, betonte jedoch, dass die Regierung noch vor Ende des Sommers die künftige Ausrichtung festlegen müsse.
„Diesen Sommer muss eine Entscheidung getroffen werden, entweder in die eine oder in die andere Richtung. Es gibt keine dritte Option“, sagte er.
Der Premierminister erklärte zudem, er prüfe derzeit den Geschäftsplan sowie die Zukunftsoptionen des Unternehmens und habe dafür umfassende Informationen von den zuständigen Stellen angefordert.
Die Vorteile von airBaltic
Nach Angaben von Kulbergs zählt zu den wichtigsten Vorteilen von airBaltic die Position in den künftigen Flugzeuglieferfenstern, die angesichts globaler Engpässe bei neuen Flugzeugen und der hohen Nachfrage nach Flottenwachstum besonders wertvoll ist.
Ein weiterer Vorteil ist die Beteiligung von Lufthansa, die 10 % an airBaltic hält und im Aufsichtsrat vertreten ist, was eine strategische Zusammenarbeit zwischen beiden Airlines stärkt.
Die beiden Unternehmen unterhalten eine Wet-Lease-Vereinbarung, über die der Lufthansa-Konzern bis zu 21 Airbus A220-300 von airBaltic für eigene Strecken und Netzwerke einsetzen kann.
Verbesserung der operativen Leistung
Die Aussagen des Premierministers erfolgen in einer Phase, in der airBaltic trotz finanzieller Herausforderungen operative Verbesserungen verzeichnet.
Im ersten Quartal erzielte das Unternehmen operative Erlöse von 149 Mio. Euro, ein Anstieg von 12 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, vor allem durch steigende Passagierzahlen und das Wachstum im ACMI-Geschäft.
Die ACMI-Einnahmen beliefen sich auf 21 Mio. Euro und machten 14,3 % der Gesamterlöse aus, was einem Plus von 29 % im Jahresvergleich entspricht.
Das bereinigte EBITDAR lag mit 7 Mio. Euro im positiven Bereich, gegenüber einem Verlust von 4,3 Mio. Euro im ersten Quartal 2025, was die verbesserte operative Entwicklung widerspiegelt.
Höhere Verluste trotz Verbesserung
Trotz der operativen Fortschritte meldete das Unternehmen im ersten Quartal einen Nettoverlust von 70,1 Mio. Euro, deutlich höher als im Vorjahr.
Die Unternehmensleitung führt dies vor allem auf Wechselkursschwankungen zurück, da die Aufwertung des US-Dollars die langfristigen Verbindlichkeiten um 36,5 Mio. Euro belastete.
Zusätzlich wirkten sich geringere kommerzielle Unterstützung sowie anhaltender Inflationsdruck negativ aus.
Auch die Einstellung der Flüge nach Dubai und Tel Aviv belastete die Einnahmen.
Damit bleibt airBaltic weiterhin unter Liquiditätsdruck.
Suche nach strategischer Lösung
Das Management hat externe Finanzberater beauftragt, einen neuen strategischen Geschäftsplan zu entwickeln und verschiedene Zukunftsoptionen zu prüfen.
Parallel laufen Gespräche mit allen relevanten Akteuren, einschließlich der Regierung Lettlands, um eine tragfähige langfristige Lösung zu finden.
airBaltic betont, dass der laufende Betrieb gesichert bleibt, während die kommenden Monate entscheidend für die Zukunft der nationalen Fluggesellschaft Lettlands sein dürften.


















