Ein Madrider Gericht hat die Schließung von zehn Touristenapartments in einem Wohnblock im Stadtzentrum angeordnet. Die dort stattfindenden Aktivitäten fügten einer benachbarten Bewohnerfamilie schweren psychischen Schaden zu und verletzten ihr Grundrecht auf Privatsphäre.
Die Familie, die zwei Kinder hat, beschwerte sich, dass sie aufgrund des lauten und unangemessenen Verhaltens der Gäste der Ferienwohnungen in den Gemeinschaftsbereichen des Gebäudes unter starkem Stress, Angstzuständen und Schlaflosigkeit litt.
In ihrem Urteil wies die Richterin darauf hin, dass es genügend Beweise für die Belastungen gibt, denen die Familie ausgesetzt ist, wie beispielsweise ständiger Lärm, die Zerstörung der Gemeinschaftsräume, die Anhäufung von Gegenständen, welche die Bewegungsfreiheit der Bewohner einschränken, sowie unangemessene Handlungen in den Gemeinschaftsräumen. In einigen Fällen hatte die Situation einen solchen Grad erreicht, dass ein Wachmann eingestellt werden musste.
Der in der Nähe der Plaza Mayor gelegene Wohnblock verfügt über insgesamt 60 Wohnungen, von denen 75 % als kurzfristige Touristenunterkünfte genutzt werden. Trotz wiederholter Versuche der Familie, gemeinsam mit der Gemeinde und den Eigentümern eine Lösung zu finden, waren die Maßnahmen nicht erfolgreich, sodass die Familie die Angelegenheit schließlich vor Gericht brachte.
Diese Entscheidung gilt als Meilenstein für den Schutz der Rechte von Anwohnern vor den Auswirkungen einer unkontrollierten touristischen Ausbeutung. Sie ebnet den Weg für ähnliche Klagen in ganz Spanien.
Der Fall kommt zu einer Zeit, in der das Phänomen des Übertourismus und der Mangel an erschwinglichem Wohnraum in Spanien starke soziale Reaktionen hervorgerufen haben, wie der Guardian berichtet. In den letzten zehn Jahren sind die Mieten um 80 % gestiegen und haben damit die Lohnerhöhungen übertroffen. Fast die Hälfte der Mieter gibt 40 % ihres Einkommens für Miete und Rechnungen aus, während der Durchschnitt in der Europäischen Union bei 27 % liegt.
Der Bürgermeister von Barcelona hat die Abschaffung der Genehmigungen für Touristenwohnungen bis 2028 angekündigt. Der spanische Staat hat Airbnb zudem aufgefordert, über 65.000 illegale Angebote zu entfernen. In Madrid gibt es über 15 200 Ferienwohnungen, die ohne die erforderlichen Genehmigungen betrieben werden.



















