Ein klares Signal an das Ministerium für Umwelt und Energie sowie das Ministerium für Tourismus sendet die Hotelvereinigung Rhodos. Sie äußert starke Vorbehalte gegenüber zentralen Bestimmungen des neuen „Sonderrahmens für die Raumordnung im Tourismus“ (ΕΧΠΤ/SPRT) und spricht von Regelungen, die die Wettbewerbsfähigkeit reifer und strategisch bedeutender Destinationen beeinträchtigen könnten.
In einem Schreiben an Umwelt- und Energieminister Stavros Papastavrou sowie Tourismusministerin Olga Kefalogianni erkennt die Vereinigung zwar die Notwendigkeit eines modernen Raumordnungsrahmens an, der nachhaltige Entwicklung, Umweltschutz und eine rationale Steuerung touristischer Destinationen unterstützt, äußert jedoch erhebliche Bedenken hinsichtlich spezifischer Regelungen für Rhodos.
„Rhodos ist kein beliebiges Reiseziel“
Die Hoteliers der Insel betonen, dass Rhodos eine der wichtigsten Tourismusdestinationen im Mittelmeerraum ist und rund 12 % des griechischen Tourismus ausmacht, mit mehr als 3 Millionen Flugankünften jährlich.
Sie weisen darauf hin, dass die heutige touristische Struktur der Insel nicht zufällig entstanden ist, sondern das Ergebnis langfristiger staatlicher Raum- und Stadtplanung ist – durch spezielle königliche und präsidiale Dekrete sowie Ministerentscheidungen zu „Tourismusentwicklungssteuerungszonen“, die organisierte Investitionen und strukturierte touristische Zonen gefördert haben.
In dem Schreiben wird zudem auf die Investitionen der Insel in nachhaltige Praktiken, Ressourcenmanagement, Energiewende und Umweltverbesserung verwiesen, insbesondere auf das Projekt Rhodes CoLab.
Streitpunkt: Bettenobergrenzen
Der zentrale Konflikt betrifft die Bestimmungen für die Kategorien „A – Gebiete kontrollierter Entwicklung“ und „B – entwickelte Gebiete“, in denen das neue Rahmenwerk maximale Kapazitätsgrenzen pro Hotel vorsieht:
- bis zu 100 Betten in Kategorie A
- bis zu 350 Betten in Kategorie B
Die Hotelvereinigung Rhodos ist der Ansicht, dass derartige pauschale numerische Beschränkungen keine Nachhaltigkeit gewährleisten.
Stattdessen, so argumentiert sie, hängt die tatsächliche Nachhaltigkeit eines reifen Tourismusstandorts ab von:
- der Qualität der Infrastruktur
- der richtigen Standortplanung
- dem Wassermanagement
- dem Energiemanagement
- dem Abfallmanagement
- dem Gesamtgrad der Organisation der touristischen Entwicklung
Zudem warnt sie, dass solche Einschränkungen zu genau dem gegenteiligen Umwelteffekt führen könnten.
Nach Ansicht der Vereinigung könnte eine Zersplitterung der touristischen Entwicklung in mehr, kleinere und verstreutere Einheiten zu folgenden Effekten führen:
- stärkere Zersiedelung
- erhöhte Belastung der Infrastruktur
- größere Umweltbelastung
- Schwierigkeiten bei Skaleneffekten
- geringere Investitionsnachhaltigkeit
„Nein“ auch zu neuer Umweltabgabe
Besonders scharf fällt die Kritik an der geplanten Einführung einer neuen Umweltabgabe auf touristische Aktivitäten aus.
Die Hotelvereinigung Rhodos lehnt diese Maßnahme entschieden ab und verweist darauf, dass die Branche bereits erheblich belastet ist durch:
- hohe Steuerlast
- gestiegene Betriebskosten
- das TAKK
- hohe Mehrwertsteuer
und zwar ohne klaren und verbindlichen Mechanismus zur Rückführung der Mittel in die touristischen Destinationen.
Forderung: Gleichbehandlung mit Kreta im Raumordnungsrahmen
Die zentrale politische Forderung der Stellungnahme ist eine Sonderbehandlung von Rhodos im neuen Raumordnungsrahmen.
Die Vereinigung verlangt, dass Rhodos im neuen EΧΠΤ mit einem Ansatz behandelt wird, der dem von Kreta entspricht, als große, reife und strategisch bedeutende Tourismusdestination.
Gleichzeitig wird diese Forderung auch auf weitere große Inselziele wie Korfu und Kos ausgeweitet. Für Destinationen dieser geografischen und entwicklungsbezogenen Größenordnung sollten keine pauschalen Kapazitätsgrenzen gelten, da diese die jeweiligen Besonderheiten nicht ausreichend berücksichtigen.
Politische Empfänger
Das Schreiben wurde weitergeleitet an:
- die Abgeordneten des Dodekanes
- den Regionalgouverneur der Südlichen Ägäis, Giorgos Hatzimarkos
- den Bürgermeister von Rhodos, Alexandros Koliadis
- den Präsidenten des SEV, Agapi Smboukou
- den Präsidenten des POK, Giannis Hatzis
Die Intervention aus Rhodos dürfte die bereits laufende Diskussion im Tourismussektor über den neuen Raumordnungsrahmen weiter intensivieren, da zunehmend Stimmen eine differenzierte, destinationsspezifische Regulierung statt einheitlicher Vorgaben fordern.
Vollständiges Schreiben zum Raumordnungsrahmen
„Betreff: Neuer Sonderrahmen für die Raumordnung im Tourismus
Sehr geehrte Frau Ministerin, sehr geehrter Herr Minister,
Die Hotelvereinigung Rhodos erkennt die Notwendigkeit eines modernen Sonderrahmens für die Raumordnung im Tourismus an, der nachhaltige Entwicklung, Umweltschutz und eine rationale Steuerung der touristischen Destinationen des Landes gewährleistet. Rhodos verfügt weiterhin über erhebliches Potenzial für weiteres Wachstum und qualitative Aufwertung seines touristischen Angebots, mit dem Ziel, höherwertige Besucher anzuziehen, die Saison zu verlängern und die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.
Allerdings führen einige Bestimmungen des neuen Rahmens zu ernsthaften Bedenken hinsichtlich ihrer Anwendung auf reife und strategisch bedeutende Destinationen wie Rhodos, das rund 12 % des griechischen Tourismus ausmacht, über 3 Millionen Flugankünfte jährlich verzeichnet und zu den wichtigsten Destinationen im Mittelmeerraum zählt.
Die heutige touristische Struktur von Rhodos ist das Ergebnis langfristiger staatlicher Raum- und Stadtplanung durch spezielle königliche und präsidiale Dekrete sowie Ministerentscheidungen über „Tourismusentwicklungssteuerungszonen“, die organisierte Investitionen und strukturierte touristische Zonen gefördert haben. Dieses Modell hat entscheidend zur internationalen Wettbewerbsfähigkeit der Insel beigetragen und die Koexistenz kleiner, mittlerer und größerer Hotelanlagen ermöglicht. Gleichzeitig beteiligt sich Rhodos aktiv an internationalen Initiativen für Nachhaltigkeit und Transformation, etwa durch Projekte wie Rhodes CoLab.
Besonders kritisch sehen wir die vorgesehenen Kapazitätsgrenzen für die Kategorien „(A) Gebiete kontrollierter Entwicklung“ und „(B) entwickelte Gebiete“, die eine maximale Bettenzahl von 100 bzw. 350 pro Hotel vorsehen. Nachhaltigkeit wird jedoch nicht durch starre numerische Grenzen erreicht, sondern durch Infrastrukturqualität, Standortplanung, Wasser-, Energie- und Abfallmanagement sowie den Gesamtgrad der Tourismusorganisation. Eine Fragmentierung der Entwicklung in kleinere, verstreute Einheiten könnte zu stärkerer Zersiedelung, höherem Druck auf Infrastruktur und Umwelt sowie zu nicht nachhaltigen Investitionen führen.
Zudem lehnen wir die Einführung einer neuen Umweltabgabe auf touristische Aktivitäten ab, da der Hotelsektor bereits erheblich durch hohe Steuern, Betriebskosten, das TAKK sowie hohe Mehrwertsteuer belastet ist – ohne einen klaren Mechanismus zur Rückführung der Mittel an die Destinationen.
Wir fordern, dass Rhodos im neuen EΧΠΤ im Sinne einer gleichwertigen Behandlung mit Kreta als große, reife und strategisch bedeutende Tourismusdestination behandelt wird. Für Destinationen wie Kreta, Rhodos sowie weitere große Inselregionen wie Korfu und Kos sollten keine pauschalen Kapazitätsgrenzen gelten, da diese zu ökologisch und wirtschaftlich kontraproduktiven Ergebnissen führen.
Mit freundlichen Grüßen
Ioannis Papavasileiou
Präsident
Konstantinos Kallioudakis
Generalsekretär“

















