Europa behauptete 2025 seine Position als weltweit führendes Reiseziel und verzeichnete laut dem Quartalsbericht „European Tourism: Trends & Prospects Q1 2026“ der European Travel Commission (ETC) einen Anstieg der internationalen Touristenankünfte um 3,5 % gegenüber 2024.
Fast 90 % der in der Studie erfassten europäischen Destinationen meldeten steigende Ankünfte, während rund jede fünfte ein zweistelliges Wachstum verzeichnete.
Das Wachstum beschränkte sich nicht nur auf die Sommermonate. Der Bericht hebt hervor, dass die Nachfrage besonders im Januar, Juni, Oktober und Dezember stark war und damit den Trend zur Entzerrung der touristischen Nachfrage außerhalb der traditionellen sommerlichen Hochsaison verstärkte.
Winterliche Skidestinationen legten deutlich zu: Frankreich, die Schweiz und Österreich verzeichneten eine hohe Nachfrage dank besserer Wetterbedingungen sowie einer günstigen Struktur von Feiertagen und Schulferien.
2026 begann noch dynamischer. Die internationalen Ankünfte stiegen um 5,6 %, die Übernachtungen um 5,5 % im Vergleich zum gleichen Zeitraum 2025. Nordeuropa stach hervor: Irland verzeichnete ein Plus von 29,7 %, Finnland von 12,3 %.
Gleichzeitig weist die ETC darauf hin, dass geopolitische Spannungen, Konflikte und extreme Klimaereignisse zentrale Risiken für dieses Jahr darstellen. Die Krise im Nahen Osten führte bereits zu steigenden Flugpreisen und Betriebskosten, während die IATA sogar vor möglichen Flugausfällen in Europa aufgrund von Engpässen bei Flugtreibstoff warnte.
Bilanz 2025: Entwicklung des europäischen Tourismusmarktes
Die ETC-Daten zeigen, dass die internationalen Ankünfte in Europa 2025 um 3,5 % zunahmen, während die Übernachtungen um 3,3 % stiegen.
Der Aufschwung war europaweit breit gefächert, wobei sich die Nachfrage stärker über das gesamte Jahr verteilte. Reisende zeigten wachsendes Interesse an Reisen außerhalb der Hochsaison – ein besonders positives Signal für die Nachhaltigkeit des Tourismus.
Griechenland verzeichnete einen Zuwachs von 5,6 % bei den Ankünften, jedoch nur 2 % bei den Übernachtungen, was auf kürzere Aufenthaltsdauern hindeutet. In Italien hingegen stiegen die Übernachtungen stärker als die Ankünfte – auf 4,3 % gegenüber 1,4 %.
Frankreich meldete ein Plus von 8 % bei den Ankünften, Spanien 3,2 %. Finnland und Norwegen lagen noch höher mit 14,1 % bzw. 12,5 %. Rückgänge wurden hingegen in Deutschland, Serbien und Irland registriert.
Die ETC stellt zudem fest, dass Reisende preissensibler geworden sind, was zu einem leichten Rückgang der durchschnittlichen Aufenthaltsdauer beitrug.


Das Bild von 2026 bisher
Nordeuropa verzeichnete Anfang 2026 das stärkste Wachstum mit einem Anstieg der Ankünfte um 13,3 %. Irland zeigte einen deutlichen Zuwachs aufgrund stärkerer Nachfrage im Geschäftsreisesegment, während Finnland von der anhaltenden Popularität des Wintertourismus profitierte.
Süd- und Mittelmeereuropa zog weiterhin den größten Anteil des Reiseverkehrs an – dank milder Temperaturen und Kampagnen zur Förderung des Ganzjahrestourismus.
Griechenland stach mit einem Anstieg der Ankünfte um 33,3 % hervor, jedoch nur 2,3 % bei den Übernachtungen – laut ETC ein Hinweis auf einen hohen Anteil an Kurzreisen.
Italien profitierte erheblich von der Dynamik der Olympischen Winterspiele Milano Cortina 2026, während Österreich und Frankreich durch sehr gute Skibedingungen gestärkt wurden.


Globale Tourismusprognosen
Der Bericht von Tourism Economics prognostiziert für Europa einen Anstieg der internationalen Ankünfte um 7,8 % im Jahr 2026 und weitere 5 % im Jahr 2027.
Das stärkste Wachstum wird in Mittel- und Osteuropa erwartet, wo 2026 ein Plus von 14,6 % prognostiziert wird. Süd- und Mittelmeereuropa soll um 8,6 % wachsen, Nordeuropa um 4,4 %.
Weltweit weisen Asien und der Pazifik das größte Wachstumspotenzial auf, während für den Nahen Osten aufgrund des Konflikts ein deutlicher Rückgang erwartet wird.
Luftverkehr: Verlangsamung bei anhaltendem Wachstum
Der europäische Passagierverkehr stieg Anfang 2026 um 6,2 %, das Wachstum begann jedoch sich abzuschwächen.
Die IATA betont, dass die weltweite Nachfrage nach Flugreisen weiter zunahm, allerdings langsamer als 2025. In Europa erhöhten Fluggesellschaften ihre Kapazitäten im Februar um 4,3 %, um die Nachfrage zu bedienen.
Die Slowakei verzeichnete den stärksten Anstieg im Flugverkehr mit einem Plus von 53 % bei den Flügen infolge der Expansion von Ryanair in Bratislava. Rumänien und Polen zeigten ebenfalls starkes Wachstum, vor allem dank Ryanair und Wizz Air.
Malta und Zypern legten deutlich als winterliche „Sonnenziele“ zu – unterstützt durch neue Strecken und bessere Konnektivität.
Hotels: Europa übertrifft Erwartungen
Europa erzielte im ersten Quartal 2026 weltweit die stärkste Hotelperformance mit einem RevPAR-Anstieg von 2,3 %.
Die Verbesserung resultierte sowohl aus höherer Auslastung als auch aus steigenden durchschnittlichen Zimmerpreisen. Der Bericht betont, dass Reisende weiterhin ein Gleichgewicht zwischen Qualität und Preis-Leistungs-Verhältnis suchen.
Im Gegensatz dazu verzeichneten Naher Osten und Afrika einen RevPAR-Rückgang von 10,6 % infolge der geopolitischen Krise, während Hoteliers in den USA Rabatte anbieten mussten, um Zimmer zu füllen.
Kurzzeitvermietungen: Regulierung und Preissteigerungen
Das Angebot an Kurzzeitunterkünften in Europa erreichte im März 2026 5,1 Millionen Unterkünfte, ein Plus von lediglich 0,8 %.
Spanien verzeichnete den stärksten Angebotsrückgang mit einem Verlust von über 64.000 Unterkünften, auch Frankreich meldete aufgrund strengerer Regulierung deutliche Rückgänge.
Gleichzeitig stiegen die Preise kräftig. Griechenland verzeichnete einen Anstieg des Gross ADR um 24,7 %, Portugal um 23,3 %, während Polen und Ungarn noch höher lagen.
Die ETC geht davon aus, dass das begrenzte Angebot die Preissetzungsmacht der Eigentümer stärkt – insbesondere in großen Tourismusmärkten.
Der Krieg im Nahen Osten und seine Auswirkungen auf den europäischen Tourismus
Die ETC schätzt, dass rund 103 Millionen Übernachtungen in Europa durch die Folgen des Konflikts gefährdet sind.
Dennoch gilt Europa im Vergleich zu anderen Regionen als widerstandsfähiger, da es sich überwiegend auf innereuropäische Nachfrage stützt. Zudem ersetzen europäische Reisende bei wachsender Unsicherheit Destinationen im Nahen Osten zunehmend durch mediterrane und andere europäische Reiseziele.
Die ETC geht davon aus, dass Länder wie Griechenland, Spanien und Portugal am stärksten von dieser Nachfrageverschiebung profitieren werden.

Tourismuseinnahmen und Ausgaben
Griechenland verzeichnete eine der eindrucksvollsten Entwicklungen bei den Tourismuseinnahmen – mit einem Plus von 58,5 % allein im Januar 2026.
Auch Ungarn zeigte einen starken Anstieg der Ausgaben, vor allem aufgrund höherer Hotelpreise und wachsender Nachfrage nach hochwertigeren Unterkünften.
Serbien hingegen meldete sinkende Tourismuseinnahmen trotz steigender Ankünfte, da der Großteil der Besucher aus benachbarten Märkten mit geringeren Pro-Kopf-Ausgaben stammte.
Zentrale Risiken für den Tourismus 2026
Tourismusfachleute sehen für 2026 steigende Betriebskosten, hohe Flugpreise, geopolitische Spannungen und Reiseunterbrechungen als größte Bedrohungen.
42 % der europäischen Branchenvertreter geben an, dass Konflikte und Transportstörungen ein zentrales Problem darstellen, während viele erwarten, dass sich ein Teil der internationalen Nachfrage in Richtung Inlandstourismus verlagert.
Europas Online-Image als Reiseziel
Das Online-Image Europas verschlechterte sich im ersten Quartal 2026. Der Sentiment-Index fiel gegenüber dem Vorquartal um 17 Punkte – belastet durch Reiseunterbrechungen, extreme Wetterereignisse und Entwicklungen im Nahen Osten.
Positiv wirkten sich dagegen Diskussionen über Kultur, Architektur, Museen und Landschaften Europas sowie der Übergang von der Wintersaison in die Frühlingsreisesaison aus.
Wichtige Herkunftsmärkte
Die ETC analysiert gesondert die wichtigsten Herkunftsmärkte. Deutsche Reisende orientierten sich stärker an winterlichen und preisgünstigeren Destinationen – mit deutlichen Zuwächsen Richtung Kroatien und Zypern.

Französische Reisende zeigten wachsendes Interesse an den Balkanstaaten und Mitteleuropa auf der Suche nach einem besseren Preis-Leistungs-Verhältnis.

Briten reduzierten Reisen nach Griechenland, Zypern und Montenegro, während die Ströme nach Spanien und Skandinavien zunahmen.

US-Reisende zeigten wachsendes Interesse an Ost- und Nordeuropa, während chinesische Reisende ihre Reisen nach Spanien, Estland und Lettland deutlich ausweiteten.
Indien entwickelt sich schrittweise zu einem der wichtigsten aufstrebenden Quellmärkte für Europa – mit besonderem Fokus auf Österreich, Deutschland und die Schweiz.


















