Die Stadt Athen und Attika verzeichneten 2025 eine starke Dynamik: Der Tourismus setzte seinen Aufwärtstrend fort, die Zahl ausländischer Besucher stieg weiter an, und die Hauptstadt stärkte ihre Position auf der internationalen Landkarte der City-Break-Destinationen.
Gleichzeitig hebt die jährliche Besucherzufriedenheitsstudie der Hotelvereinigung Athen–Attika–Argosaronikos (EXA), des internationalen Flughafens Athen (DAA) und von GBR Consulting auch die zentralen Herausforderungen hervor, mit denen die Stadt weiterhin konfrontiert ist: Öffentliche Räume, Sauberkeit, Barrierefreiheit und die begrenzte Nutzung der Küstenfront bleiben Schwachstellen im Besuchererlebnis.
Die Ergebnisse der „Jährlichen Besucherzufriedenheitsstudie“ für das Tourismusjahr 2025 wurden am 12. Mai 2026 im Conrad Athens The Ilisian vorgestellt – von der Leiterin Marktforschung des DAA, Maripola Kotsi, sowie dem Managing Consultant von GBR Consulting, Stefan Merkenhof. An der Veranstaltung nahmen Vertreter der Regierung, der lokalen Verwaltung, der Tourismusbranche und der akademischen Gemeinschaft teil.
Laut Angaben des DAA war 2025 ein Meilensteinjahr für den Athener Flughafen, der sein 25-jähriges Bestehen feierte und mit 34 Mio. Passagieren einen neuen historischen Rekord erreichte – rund 2 Mio. mehr als 2024. Der internationale Verkehr belief sich auf 24 Mio. Passagiere, während die Zahl ausländischer Besucher 8,7 Mio. erreichte, ein Anstieg von 10 % im Jahresvergleich.



Die Vereinigte Staaten wurden erstmals zum größten Quellmarkt ausländischer Besucher für Athen mit rund 1,2 Mio. Reisenden und einem Plus von 12 %, während auch die Märkte Deutschland und Italien deutlich zulegten. Parallel dazu wurde das Streckennetz des Flughafens weiter ausgebaut – mit mehr als 141 internationalen Zielen sowie neuen Fluggesellschaften und zusätzlichen Frequenzen.

Die Studie von GBR Consulting zeigt, dass Athen weiterhin eine hohe Gesamtzufriedenheit und eine starke emotionale Bindung bei seinen Besuchern aufrechterhält. Kultur bleibt mit einer Bewertung von 9,2 der größte Wettbewerbsvorteil der Stadt und bestätigt, dass die griechische Hauptstadt vor allem als Reiseziel für Kulturerbe und historische Tiefe wahrgenommen wird.

Dies spiegelt sich auch in den Antworten der Touristen wider: Die Hälfte gab an, sich durch ihren Besuch in Athen „kulturell bereichert“ gefühlt zu haben, während 43 % Freude, 30 % Entspannung und 25 % Inspiration nannten.

Zugleich betrachten 81 % der Besucher Athen als inklusives und gastfreundliches Reiseziel für alle – unabhängig von Nationalität, Religion, sexueller Orientierung oder Behinderung. Besucher mit Zugänglichkeitsanforderungen bewerteten die entsprechenden Dienstleistungen positiv, auch wenn das breitere urbane Umfeld weiterhin Defizite aufweist.

Das Besucherprofil zeigt, dass Athen sowohl als eigenständiges Reiseziel als auch als Teil einer größeren Griechenlandreise fungiert. Freizeit bleibt mit 75 % der Besuche der Hauptreisegrund, während 61 % der Reisenden die Stadt erstmals besuchten. Allerdings blieben nur 29 % ausschließlich in Athen, was darauf hindeutet, dass die Mehrheit die Hauptstadt mit anderen griechischen Destinationen kombiniert.
Besonders interessant sind die Daten zur wirtschaftlichen Bedeutung des Tourismus. Die Tagesausgaben stiegen 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 10 %, wobei der stärkste Zuwachs bei Sehenswürdigkeiten und Unterhaltung verzeichnet wurde – hier lag der jährliche Anstieg bei 16 %. Laut Studie zeigen sich Besucher zunehmend bereit, Geld für kulturelle Erlebnisse und Freizeitaktivitäten auszugeben.
Gleichzeitig dokumentiert die Studie jedoch eine wichtige Veränderung: Erstmals seit 2017 besuchte die Mehrheit der Touristen nicht die Athener Küstenfront. Zwar bewerteten jene, die sie besuchten, ihre Erfahrung positiv – mit 8,6 für Strandsauberkeit und 8,0 für Wasserqualität –, doch scheint das touristische Angebot an der Küste bislang noch nicht wesentlich in das gesamte touristische Erlebnis der Stadt integriert zu sein.
Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den Inseln des Argosaronischen Golfs, deren Besucherzahlen und Bekanntheit weiterhin begrenzt bleiben. Die meisten Touristen geben an, sie vor allem aus Zeitmangel nicht zu besuchen, aber auch wegen begrenzter Information oder der Präferenz für andere Inselziele. Die Studie schätzt, dass sowohl die Küstenfront als auch die nahegelegenen Inseln derzeit untergenutzte Potenziale darstellen, die die Aufenthaltsdauer verlängern und das Besuchererlebnis in Attika deutlich bereichern könnten.

Trotz des insgesamt positiven Bildes bleiben die Kennzahlen für das urbane Umfeld schwächer. Öffentliche Verkehrsmittel und Grünflächen wurden mit 7,4 bewertet, Plätze und Gehwege mit 6,8, während öffentliche Sauberkeit und Luftqualität bei 6,6 lagen. Die Lärmsituation erhielt 6,4 und spiegelt damit die langjährigen Schwächen des öffentlichen Raums in der Hauptstadt wider.
Die Studie zeigt zudem, dass trotz eines Anstiegs der internationalen Ankünfte am DAA um 10,1 % der Effekt auf die Hotelauslastung begrenzt blieb: Diese stieg lediglich um 0,9 %, während der durchschnittliche Zimmerpreis moderat um 2,5 % zunahm. Die stärkste Verbesserung wurde in der Wintersaison festgestellt, in der sowohl Auslastung als auch Preise anstiegen und damit die schrittweise Stärkung Athens als Ganzjahresdestination bestätigten.
Vergleich mit Barcelona und die Botschaft für Athen
Besonderes Interesse galt dem Vergleich zwischen Athen und Barcelona, das in der Studie als Referenz für touristische Belastbarkeit, touristischen Druck und Erlebnisqualität diente. Die Daten zeigen, dass Athen im Hinblick auf touristische Intensität weiterhin deutlich unter Barcelona liegt, jedoch bereits Anzeichen von Druck auf Infrastruktur und öffentlichen Raum aufweist.
Laut Präsentation verfügt Attika über etwa 32.000–35.000 Kurzzeitvermietungseinheiten, während Barcelona rund 24.000 aufweist; allein im Zentrum Athens konzentrieren sich 16.000–18.000 Einheiten. Gleichzeitig betont die Studie, dass Athen weiterhin eine deutlich geringere Hotelnachfrage als Barcelona aufweist: Attika verzeichnete 2024 rund 5,7 Mio. Hotelankünfte gegenüber 13,1 Mio. in Barcelona, während die Übernachtungen 12,7 Mio. gegenüber 34,6 Mio. erreichten.
Der größte Unterschied liegt jedoch in der Qualität des urbanen Umfelds. Athen liegt hinter Barcelona bei kritischen Indikatoren wie Sauberkeit, öffentlichem Verkehr, Veranstaltungsinformation, Sicherheit und Lärmsituation zurück, erzielt jedoch hohe Werte bei Hotels und beim Verhalten der Einwohner gegenüber Besuchern. Die Gesamtbewertung Athens lag bei 8,4 gegenüber 8,7 für Barcelona.



Der Präsident der EXAAA, Eugenios Vasilikos, hob besonders das Thema Infrastruktur und den Bedarf an integrierter Planung hervor. Wie er erklärte, verfügt Athen weiterhin über erhebliches Wachstumspotenzial, aber auch große Verbesserungsmöglichkeiten. Dabei könne die touristische Belastbarkeit der Stadt nicht allein anhand von Hotelbetten bewertet werden, sondern erfordere auch ein vollständiges Bild der Kurzzeitvermietung. Zugleich bezeichnete er die kontinuierliche Entwicklung der Athener Riviera und der Inseln des Argosaronischen Golfs als entscheidend.

Der Geschäftsführer des DAA, Giorgos Kallimasiás, unterstrich seinerseits, dass der Erfolg Athens auf der internationalen Tourismuslandkarte das Ergebnis der Zusammenarbeit aller Glieder der Kette „Reise – Tourismus“ sei. Er betonte, dass das Wachstum inzwischen auch mit höheren Verantwortlichkeiten für Investitionen in Infrastruktur, Funktionalität und Erlebnisqualität einhergeht.



















