Eine Untersuchung der chinesischen Wettbewerbsbehörde SAMR gegen die Trip.com Group läuft derzeit aufgrund des Verdachts des Missbrauchs ihrer Position im Hotelbuchungsmarkt. Hotelbetreiber werfen der Plattform dabei monopolistische Praktiken vor. Gleichzeitig wird die Trip.com Group jedoch auch untersucht, weil sie die Regulierungsbehörden über die Risiken ihres Geschäftsmodells in die Irre geführt haben soll.
Die SAMR hat ein Verfahren gegen die Reiseplattform eingeleitet, mit dem Vorwurf, dass die Trip.com Group ihre starke Marktposition ausgenutzt habe. Auslöser waren Beschwerden von Hoteliers, die dem Unternehmen monopolistische Praktiken vorwerfen.
Im Kern geht es um die Preis- und Angebotssteuerung von Hotels auf der Plattform. Laut Informationen sollen Unterkünfte unter Druck gesetzt worden sein, niedrige Preise anzubieten, wodurch für Unternehmen ein bekanntes Dilemma entsteht: Wer sich nicht anpasst, riskiert Sichtbarkeit und Vertrieb über die Plattform.
Die Trip.com Group betreibt einige der größten Reisemarken Chinas, darunter Trip.com, Ctrip, Skyscanner und Qunar. Das Unternehmen verkauft Flugtickets, Bahnfahrkarten, Hotelübernachtungen, Pauschalreisen sowie Geschäftsreisedienstleistungen in ganz Asien und auf internationalen Märkten.
Seit ihrer Gründung im Jahr 1999 hat sich die Gruppe zu einer dominierenden Kraft im chinesischen Reisemarkt entwickelt. Ihr Einfluss wuchs stark durch eine Reihe von Fusionen und Übernahmen, darunter die Integration von Qunar sowie die internationale Expansion der Marke Trip.com.
Hotelunternehmen in China beklagen seit Langem die starke Verhandlungsmacht großer Buchungsplattformen. Online-Reiseagenturen könnten aufgrund ihrer Kontrolle über den Kundenverkehr Preisstrategien, Marketingaktionen und Provisionsstrukturen faktisch diktieren.
Mehrere im Zusammenhang mit der Untersuchung stehende Berichte behaupten, dass bestimmte Hotels unter Druck gesetzt worden seien, auf Trip.com Group niedrigere Preise anzubieten als auf konkurrierenden Plattformen oder bei Direktbuchungen.
Die Vorwürfe erinnern an Auseinandersetzungen mit der Booking Holdings in Europa. Auch dort geht es um die Marktmacht großer Plattformen gegenüber Hotels und die Frage, wie stark Vermittler in Preisgestaltung und Bedingungen eingreifen dürfen.
Weltweit stehen Buchungsplattformen wegen sogenannter Paritätsklauseln in der Kritik, die Hotels daran hindern können, auf anderen Kanälen günstigere Preise anzubieten.
Die Untersuchung in China spiegelt eine breitere regulatorische Kampagne wider, mit der die Behörden die Kontrolle über große digitale Plattformen verschärfen wollen. In den vergangenen Jahren hat Peking mehrere Untersuchungen gegen große Technologieunternehmen in Bereichen wie E-Commerce, Lieferdienste, Mobilitätsplattformen und Finanzdienstleistungen eingeleitet.
Analysten sehen den Fall der Trip.com Group als möglichen Lackmustest dafür, wie weit chinesische Regulierungsbehörden bei der Einschränkung der Marktmacht dominanter digitaler Intermediäre im Reisebereich gehen werden.
Berichten zufolge begann die Untersuchung, nachdem Regulierungsbehörden Führungskräfte der Trip.com Group zu Geschäftspraktiken und operativen Risiken befragt hatten. Später führten regionale Behörden zusätzliche Prüfungen durch, bevor die SAMR die Ermittlungen Anfang dieses Jahres offiziell eskalierte.
Offizielle Ergebnisse wurden bislang nicht veröffentlicht, und chinesische Behörden haben nicht bestätigt, ob das Unternehmen gegen Wettbewerbsrecht verstoßen hat. Dennoch haben Markterwartungen über mögliche Sanktionen bereits die Anlegerstimmung beeinflusst.
Die Aktien der Trip.com Group sollen nach Bekanntwerden der Untersuchung deutlich gefallen sein. Analysten schätzen, dass mögliche Geldstrafen zwischen 5 % und 10 % des Jahresumsatzes liegen könnten, falls Verstöße gegen Kartellregeln festgestellt werden.
Eine solche Strafe könnte sich angesichts der Unternehmensgröße auf mehrere hundert Millionen Dollar belaufen.

















