In einer Zeit zunehmender geopolitischer Spannungen, Kriege und gesellschaftlicher Spaltungen gewinnt der Tourismus eine neue Bedeutung: Er wird zur Suche nach Sicherheit, Akzeptanz und Orten, an denen sich Besucher zugehörig fühlen. Dies war die zentrale Botschaft des Panels „Destinations with Heart“ auf der internationalen Tourismusmesse WTM London, bei dem Island, Thailand und Malta zeigten, wie Empathie, Frieden und Inklusion von gesellschaftlichen Werten zu einem konkreten Entwicklungsmodell werden.
Die Diskussion blieb nicht theoretisch: Die drei Länder zeigten anhand von Beispielen, dass „Tourismus von Herzen“ – wie sie ihn nennen – inzwischen eine strategische Entscheidung mit konkretem wirtschaftlichen Effekt ist.
Die isländische Ministerin Hanna Katrin Frioriksson erinnerte daran, dass Island seit 2008 ununterbrochen an der Spitze des Global Peace Index steht. Sie betonte, dass Reisende in Zeiten von Konflikten vor allem nach Sicherheit und Wertschätzung suchen. Island setzt auf menschliche Begegnungen, stärkt lokale Gemeinschaften durch den Tourismus und sendet eine klare Botschaft: Der Besucher ist kein „Kunde“, sondern Gast.
Thailand verfolgt einen anderen Ansatz: kulturelle Natürlichkeit in der Akzeptanz. Chiravadee Khunsub von der thailändischen Tourismusbehörde erklärte, dass Inklusion bei den Thailändern „spontan“ geschehe. 2025 wurde Thailand das erste Land in Südostasien, das gleichgeschlechtliche Ehe legalisierte, ein starkes Signal für Gleichberechtigung. Khunsub betonte, dass soziale Akzeptanz nicht ausreiche. „Wir müssen auf allen Ebenen über die Erwartungen hinausgehen“, sagte sie, und stellte klar: Es geht nicht nur um Toleranz, sondern um aktive Gastfreundschaft.
Für Malta ist Inklusion ein strategisches Werkzeug. Das Land steht seit zehn Jahren an der Spitze des Rainbow Index der ILGA-Europe, ruht sich jedoch nicht darauf aus. Tolene van der Merwe, Leiterin der Malta Tourism Authority für das Vereinigte Königreich und Irland, erklärte, dass vor der EuroPride 2023 Hotelpersonal darin geschult wurde, LGBTQ+-Gäste willkommen zu heißen. „Inklusion ist kein Marketingprojekt, sondern ein Mindset-Wandel“, sagte sie und beschrieb aktuelle Projekte, wie touristische Angebote für sehbehinderte Besucher gestaltet werden. „Wie können wir jemandem zeigen, was wir sehen? Wir wollen, dass Malta für alle ist.“
Drei unterschiedliche Destinationen, eine gemeinsame Erkenntnis: Frieden, Akzeptanz und menschliche Verbindung werden zu entscheidenden Faktoren für die Tourismuswettbewerbsfähigkeit. In einer zunehmend harten Welt gewinnen diejenigen Ziele, die offen bleiben – im wörtlichen wie im übertragenen Sinn.



















